Rezept für Joulukinkku – Ein XXL Weihnachtsbraten

Na? Schon auf dem ersten Weihnachtsmarkt abgestürzt oder bei der Weihnachtsfeier ordentlich daneben benommen 😉 ? Es weihnachtet gar sehr in Deutschland und langsam beginnt die heiße Phase. Du kennst das bestimmt auch: überfüllte Geschäfte oder Shoppingcenter, quengelnde Kinder (und Männer) in Bekleidungsgeschäften aller Art. Der letzte Ausweg in Form von Gutscheinen und die Angst davor etwas falsches zu verschenken. Damit es neben all dem Weihnachtsstress wenigstens mit dem Essen rund läuft möchten wir dir in diesem Jahr kulinarisches aus Finnland näher bringen. Letzte Woche starteten wir mit der finnischen Vorspeise >>Rosolli einem Heringssalat. Heute geht es mit einem echten Knaller weiter! Wir haben ein Rezept für einen XXL Weihnachtsbraten für dich. Die Rede ist von Joulukinkku – einem Braten von dem garantiert die ganze Familie satt wird!

Joulukinkku

Der klassische Weihnachtsschinken mit gekochten Backpflaumen & Möhrenauflauf, nicht nur zu Weihnachten ein großartiges Rezept!

Joulukinkku – Der finnische Weihnachtsschinken

Nachdem wir uns letzte Woche mit der finnischen Weihnacht ansich beschäftigt haben, geht es heute um Essen in Finnland. Nun wird dir sicher nicht entgangen sein, dass Finnland ziemlich nördlich liegt. Das spiegelt sich natürlich auch in den Essgewohnheiten und in den Zutaten wieder. Wer auf ein schönes “mediterran” angehauchtes Menü schielt wird in Finnland bzw. der finnischen Küche bitter enttäuscht. Man nutzt Zutaten die sich gut haltbar machen lassen oder die es saisonal zu kaufen gibt. Hippe Jacobsmuscheln oder Hummerschwänze findet man zu Weihnachten höchstens bei den Hipstern in der Hauptstadt Helsinki. Der Rest der Bevölkerung mag es bodenständig, saisonal und traditionell. Da wird natürlich auch beim Essen gerade an Heiligabend nicht herumexperimentiert. Zwar hat die finnische Küche gerade in den letzten Jahren viele Einflüsse in sich vereint und sich “verjüngt”, zu Weihnachten jedoch bleibt man sich treu.

Wenn du also richtig finnisch Schlemmen möchtest, gehört der Joulukinkku (der finnische Weihnachtsschinken) einfach dazu! Nun muss man sich allerdings immer vor Augen halten um welches Stück Fleisch es hier geht und vor allem über welche Menge Fleisch wir reden. Der finnische Weihnachtschinken ist nichts anderes als ein kompletter, gepökelter Schweineschinken. Wir lassen das einmal kurz sacken und verinnerlichen dann das wir über 10-15 Kilo Fleisch sprechen. Im ersten Moment natürlich echt eine ganze Menge, auf den zweiten Blick dann aber durchaus zu handlen.

Joulukinkku – Was soll ich mit den Resten anstellen?

Nun gehen wir mal von einem Braten mit dem Endgewicht von 10 Kilo aus. Nach dem Weihnachtsessen bleiben davon vielleicht noch 5 Kilo übrig die verarbeitet werden wollen. Der Clou liegt in der Zubereitung des Schinkens! Vor dem eigentlichen backen im Backofen oder auf dem Grill wird der Schinken nämlich 10 Tage lang gepökelt. Das macht den Joulukinkku haltbar und ideal um ihn zwischen Weihnachten und Neujahr kalt auf einem Brot mit Senf zu verspeisen. Finnland ist nicht unbedingt als Land der verschwenderischen Lebensmittelkultur bekannt und so wird auch dort der Joulukinkku bis zum sechsten Januar gegessen. Das ist die Chance für alle Mamis, Papis, Omis und Opis da draußen die immer glauben das die kleinen in der fernen Welt verhungern! Ihr könnt den übrig gebliebenen Weihnachtsbraten einfach aufschneiden, in die nächstbeste Tupperschüssel packen und den lieben kleinen mitgeben. Ein verhungern zwischen Weihnachten und Neujahr ist somit nahezu ausgeschlossen.

Wahlweise kann der Braten aber auch wieder erwärmt und an den Weihnachtsfeiertagen verspeist werden. Wir haben uns übrigens dazu entschieden auch finnische Beilagen zu servieren. Zum einen findet man gekochte Backpflaumen (die perfekt zum salzigen Fleisch passen) und zum anderen Porkkanalaatikko (einen finnischen Möhrenauflauf) auf dem Teller. Die Rezept hierzu gibt es selbstverständlich auch gut zusammengefasst weiter unten!

Rezept für Joulukinkku & Porkkanalaatikko

By 13. Dezember 2017

Die Überschrift liest sich zugegebenermaßen wie eine hochtrabende kulinarische Vielfältigkeit für die es 20.000 (MINDESTENS) Zutaten braucht. Übersetzt man es ins Deutsche und liest "Schweineschinken mit Möhrenauflauf" nehmen wir der ganzen Sache natürlich einiges an Charme, aber auch an Angst vor der Zubereitung. Wenn du dir das beschriebene Pökeln im Rezept sparen willst, frag deinen Metzger ob er dir einen Schinken pökeln kann. Hier entfällt natürlich dann das beschriebene Pökeln aus dem Rezept. Sollte es zu Weihnachten nicht kalt sein und du keine geeignete Kühlmöglichkeit haben um ein so großes Stück Fleisch über Tage zu pökeln, solltest du generell einmal deinen Metzger fragen.

Zubereitung

Zum Weihnachtsschinken:

Wenn du den Weihnachtsschinken selber Pökeln möchtest benötigst du einen Eimer und einen großen Topf. Hier erhitzt Du ordentlich Wasser zusammen mit dem Nitritpökelsalz (das Salz muss sich im Wasser lösen). Ich habe mich für eine 12% Mischung entschieden und auch wenn es komisch klingt wird diese wie folgt "berechnet": 880ml Wasser und 120g Nitritpökelsalz. Das Salzwasser habe ich dann in einen Eimer geschüttet ünd abkühlen lassen. Als das Wasser kalt war kam der Schinken dazu. Der Schinken muss von der Pökellake bedeckt sein und darf nicht oben heraus schauen (im Zweifel einfach noch etwas Lake ansetzen undkalt mit zum Schinken gießen. Nun den Eimer mit einem Deckel verschließen und an einem Kühlen Ort 10 Tage lang pökeln lassen (Ich habe es bei Außentemperaturen von 2-4 Grad einfach auf die Terrasse gestellt).

Wenn der Schinken gepökelt ist kannst du beginnen die Schwarte rautenförmig einzuschneiden und mit Nelken zu spicken. Nun wandert der Schinken bei 125 Grad (im Backofen Ober-Unterhitze) pro Kilo für eine Stunde in den Grill. (10 Kilo Braten = 10 Stunden). Du solltest aufgrund des austretenden Fettes unbedingt eine Schale mit Wasser unter den Weihnachtsschinken stellen da du dir sonst den Backofen oder den Grill komplett versaust. Nach den 10 Stunden wird der Schinken aus dem Grill (oder dem Backofen) genommen und die Schwarte samt Nelken wird entfernt. Nun den Zucker mit dem Senf mischen und auf den Schinken streichen, anschließend alles mit Paniermehl bedecken. Der Schinken wandert nun für weitere 60 Minuten bei 160 Grad in den Ofen bis die Panade schön knusprig geworden ist.

Zum Möhrenauflauf:

Den Reis zusammen mit der Milch und dem Wasser garen und die Möhren in leicht gesalzenem Wasser weich kochen. Anschließend die Möhren mit einem Kartoffelstampfer oder einer Presse klein stampfen und zum Reis geben. Den Schmand und das Ei dazu geben und alles mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Nun die Masse in eine Auflaufform geben und mit Paniermehl bestreuen. Mit ein paar kleinen Butterflöckchen belegen und den Auflauf für 60 Minuten bei 160 Grad im Grill oder im Backofen (Ober & Unterhitze) garen.

Zu den Backpflaumen:

Die Pflaumen mit Wasser in einen Topf geben und bei mittlerer Hitze kochen bis die Pflaumen weich sind. Wahlweise kann man dem Wasser etwas Zucker oder Honig beigeben um den Geschmack etwas zu heben.

Guten Appetit!

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